16. September 2019

0:59 Uhr, Faschodämmerung. Es scheint, dieses Wochenende hat die überwiegende Medienlandschaft mal wieder den Aktionstag »Vorbereitung aufs Reich« ausgerufen. Aber der Reihe nach. Den Anfang macht ein Grönemeyer-Konzert. Der gute Mann hat vor versammelter Halle ein Plädoyer gegen Rechts gehalten. Jetzt denkt man, die gesamte liberale Presse stürzt sich vor Freude auf ihn, überschüttet ihn mit Lob und feiert sein Engagement. Denn prominente Positionierungen zum Antifaschismus sind leider immer noch rar. Weit gefehlt! Von rechts wurde der Vergleich mit Goebbels und dem Sportpalast forciert, wenigstens Heiko Maas lobte Grönemeyer und die liberale Presse? Die machte aus Grönemeyers Plädoyer eine »umstrittene Rede«. Man will offenbar nach der Machtergreifung weiter Schreiben dürfen.

Die ARD hatte mal wieder das Bedürfnis mit Gauland zu plauschen. Das scheint sich zu einem sehr merkwürdigen Fetisch zu entwickeln, so häufig passiert das in letzter Zeit. Dazu muss man wissen, dass die Sommerinterviews dieses Jahr unter dem Hashtag #FragSelbst Zuschauerfragen sammeln, die den Parteioberen dann gestellt werden. Gauland verweigerte als einziger Interviewgast dieses Format. Und die ARD? In einer besseren Parallelwelt hätte sie auf das Konzept bestanden und Gauland im Zweifel absagen lassen. In unserer Welt lässt sie #FragSelbst ausfallen, damit Gauland sie bloß nicht verschmäht. Das Interview war dann eine Kopie üblicher Gauland-Interviews – viel Bühne für Geschwurbel und Rumgeopfer.

Ein kleiner Lichtblick kam dann aber doch: Das ZDF lud den AfD-Landesvorsitzenden von Thüringen Landolf Ladig, besser bekannt unter seiner öffentlichen Persona Bernd Höcke zu Berlin direkt. Das Interview wird ein Desaster … für Höcke. Er redet sich in Rage, schwadroniert von seiner Zukunft als Reichsführer, droht seinem Interviewer sogar recht offen für die Zeit nach der Machtergreifung. Am Schluss hört man den Pressesprecher des Landesverbandes Günther Lachmann – Fun Fact: früher Journalist bei BILD und WELT, so schließt sich der Kreis – hoffnungsvoll fragen, das Interview werde aber doch nicht gesendet, worauf er ein »Natürlich wird das Interview verwendet« kassiert. Die AfD wird später erklären (vulgo rumopfern), man hätte Höcke verunsichert, er sei durch die Fragen »stark emotionalisiert« worden. Chapeau kann ich da nur sagen! Sehen will ich die Faschisten zwar immer noch nicht, aber wenn schon, dann ist dieses Interview ein Lehrstück in Sachen #MitRechtenReden. David Gebhard hat es übrigens geführt.

Die Banner, die mich schon seit Tagen beschäftigen, sind endlich fertig. Also so weit fertig, dass sie heute in ihre Halterungen eingepasst werden können. Wahrscheinlich sind sie dann wieder so gar nicht fertig, aber ich gebe die Hoffnung mal nicht auf.

Das Social-Media-Team der IAA, die dieser Tage ja recht erfolgreich von Klimaschutzdemos gestört wird, hat sich im Angesicht von Blockaden und den zahlreichen Demonstranten auf den Straßen rund um das Messegelände zu einem bemerkenswerten Aufruf an die Besucher der IAA genötigt gefühlt: Aufgrund der Verkehrssituation empfehle man allen Besuchern mit den Öffentlichen anzureisen. Es gibt also noch Hoffnung für den Planeten.

Ansonsten gehörte der Tag Bernd Höcke. Ja, hatten wir schon, aber so war es nun mal. Ich denke, ich habe sein Gesicht heute öfter in meiner Twitter-TL gesehen als insgesamt in meinem bisherigen Leben. Und definitiv auch oft genug für ein ganzes Leben.

Social Media Gedöns

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