5. September 2019

Probieren wir mal wieder was neues. Moin Rumpelkammer! Hier schreibe ich frei aus dem Alltag. Ich trenne das gezielt vom Hauptteil des Blogs – den Rezensionen. Dazu gehört auch, dass die Beiträge aus der Rumpelkammer (hoffentlich) nicht auf der Startseite auftauchen. Los geht’s!

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen macht mich fertig. Vergangenen Sonntag waren Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen und die Erfolge der rechtsextremen AfD lassen mal wieder alle Studios eskalieren. Die Wahlsendungen waren schon schlimm. Erst Bestürzung über die hohen Ergebnisse, dann sofort eine Schalte nach der anderen mit den Granden der Partei. Dabei wird der Landesvorsitzende und Spitzenkandidat der Brandenburgischen AfD Andreas Kalbitz – den man übrigens getrost und mit allem Recht nicht oft genug Neonazi nennen kann – so normal behandelt, wie jeder x-beliebige Politiker. Gauland, der als Unterzeichner der Erfurter Resolution beim Verfassungsschutz als Verdachtsfall geführt werden dürfte, turnt von einer Schalte in die nächste; so viel Agilität beim Senderhüpfen hätte man ihm gar nicht mehr zugetraut. Verbindendes Element aller Interviews: Sie dürfen reden und welchen faktisch falschen Unsinn sie auch erzählen, er wird nur in Ausnahmefällen gerade gerückt. Ja wie konnte diese rechtsextreme Partei nur so in der Normalität der Gesellschaft ankommen? Ich komm nicht drauf.
Montag hat die 19-Uhr-heute dann ein Glanzstück hingelegt. Aufmacher und größter Slot war natürlich das Wahlergebnis. Im Studio spricht man konsequent von der »rechtspopulistischen AfD«, ich möchte in den Fernseher springen. Um die ganze Absurdität des öffentlich-rechtlichen Umgangs mit der AfD dann auf den Punkt zu bringen, wird Theo Koll zugeschaltet. In einem bemerkenswerten Beitrag ordnet er die AfD, insbesondere mit Blick auf die Ost-Landesverbände, ein. Die Dominanz des rechtsextremen und völkisch-nationalistischen Flügels, Kalbitz’ Verstrickungen in die Neonaziszene, das volle Programm. Ich möchte ihn küssen und im nächsten Moment tröstend in den Arm nehmen, denn kaum ist die Schalte vorbei, ist sein impliziter Appell für ein sauberes Wording und gegen die Normalisierung dieses Haufens wieder verhallt: Im Studio bleibt man bei »rechtspopulistisch«, als wäre die AfD nur eine CSU.
Gestern war das ZDF dann wieder in Hochform. Erst der überraschend gute Dokumentarfilm Stunden der Entscheidung über den September 2015, als Angela Merkel die Grenze zu Österreich im Angesicht des March of Hope nicht geschlossen hat. Irritierend eigentlich nur zwei Punkte: Der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière gibt sich ungewohnt humanitär. Bewegend erzählt er, wie sehr ihn der March of Hope, als er damals in Ungarn über die Autobahn zog, berührt habe. Traut man ihm gar nicht zu, wo seine Kernkompetenz in der Folgezeit doch hauptsächlich darin lag, Wähler am rechten Rand mit erfundenen Zahlen zur CDU zu locken und Geflüchteten das Leben so schwer wie möglich zu machen. Außerdem war da noch Sigmar Gabriel – damals Vizekanzler, heute Ex-SPD-Vorsitzender, also Diskursheckenschütze -, der unter allen kommentierenden Stimmen die einzige war, die die rechte Mär von der »Grenzöffnung« plapperte. Läuft bei der SPD.
Danach – als müsste man das positive Bild wieder korrigieren – Dunja Hayali mit Jörg Meuthen. Ich hatte schon frühzeitig abgeschaltet, man weiß ja, was da kommt. Leider war’s wohl genau das. Jedenfalls war sich meine Twitter-TL einig. Zum lauschigen Ausklang darf dann noch Gauland in bei Lanz gemütlich plauschen. Gut, schadet wenigstens Sendung und Moderator nicht, beide sind schon vor Jahren am Boden der Niveauskala angekommen und haben sich gemütlich eingerichtet.

Ansonsten gehört der Tag dem Brexit. Boris Johnson flog im Unterhaus gewaltig auf die Schnauze. Nach Jahren gibt es wieder Hoffnung für die Briten.

Social Media Gedöns

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