24. Oktober 2019

1:39, Watte im Kopf. Zum (immerhin produktiven) Reizhusten hat sich gestern noch Schnupfen gesellt. Dabei scheint es erst mal zu bleiben. Das ist reichlich ungünstig, in der Verfassung siegt am Samstag nämlich normalerweise noch das Verantwortungsbewusstsein gegen die medizinische Vernunft. Soll heißen, ich fahre auf die Großübung, hample den ganzen Tag im Kühlen rum und liege dann 2 Wochen richtig flach. Und das nur, weil kreisweit händeringend nach Einsatzkräften gesucht wird, die diesen seit Januar bekannten Quasi-Pflichttermin nicht absagen. Das nervt mich daran am meisten.

Unter der körperlichen Verfassung leidet auch die Schreiblust. Mittlerweile stauen sich drei Rezensionen auf der Liste – Britt-Marie war hier, Herr Sonneborn geht nach Brüssel und Alte weiße Männer. Läuft bei mir.

Gestern wurde ein junger Fahranfänger, der mit knapp 3 Promille ein Mädchen tot gefahren hat, wegen Schuldunfähigkeit zu lockeren 5000€ verurteilt. Die Empörungswelle war erwartbar enorm und ich teile sie sogar. Das Problem mit der Schuldfähigkeit bei Drogenkonsum ist doch ein diffuseres, als die Rechtssprechung üblicherweise abbildet. Wenn ich beispielsweise mit dem Auto zu einem Besäufnis fahre, plane ich doch in den seltensten Fällen, das Auto dann stehen zu lassen. Und ändere meinen Plan dann mit vollem Kopf. Insofern wird bei der Bewertung einfach der falsche Zeitpunkt angesetzt. Als ich nüchtern losgefahren bin, war ich nämlich noch zurechnungsfähig. Und im Prinzip kann man das auf alle aktiv begangenen Straftaten ausdehnen. Spätestens nach dem ersten Vollrausch hab ich nämlich eine recht genaue Vorstellung davon, wie mein Verhalten auf Alkohol reagiert. Wenn ich dann jemanden vergewaltige oder anderweitig verletze, bin ich schuldfähig, weil ich mich betrunken habe, obwohl ich wusste, dass ich dann übergriffig, reizbarer, aggressiver, gewalttätiger oder whatever werde. Die Entscheidung, mich mit dem Wissen zu betrinken, treffe ich nüchtern.

Wie kriege ich meinen alten Herrn dazu, Alte weiße Männer zu lesen und das auch noch unvoreingenommen? Das Buch wäre so gut für ihn, vor allem weil es eben kaum anklagend und ziemlich gut verständlich geschrieben ist. Aber leider wird das trotz akademischem Hintergrund wohl eher nix. Mein alter Herr ist das Paradebeispiel für die Frage, ob Ingenieure echte Wissenschaftler sind. Keine Woche her, seit ich den Spruch, er brauche kein Buch, er habe schon eins, das letzte Mal gehört habe. Es ist ein Jammer.

A propos Bücher: Ich hab gerade Folletts Jahrhundertsaga angefangen. Ich dachte mir vor langer Zeit – ich glaube, da war der dritte Teil gerade frisch raus – Follett muss man ja auch mal gelesen haben. So ungefähr wie die klassischen Klassiker – die ich allesamt auch nicht gelesen habe. Stand jetzt bereue ich den Vorstoß schon. Bin gespannt, wie das weiter geht.

Ansonsten gehörte der Tag der FDP. Die glänzt mal wieder mit einer genialen Idee: Rechtschreibfehler in Nazi-Graffitis korrektursprayen. Moment mal, das kenn ich doch irgendwoher, grübelt der Buchliebhaber. Richtig, die Idee hatte auch Marc-Uwe Klings Känguru schon umgesetzt. Mit einem kleinen Unterschied: Es hat den vermeintlich ungebildeten Stereotypnazis nicht nur die Orthographie, sondern auch den Inhalt korrigiert. Aber letzteres kann man von einer Lindner-FDP ja nun wirklich nicht erwarten.

Social Media Gedöns

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