4. November 2019

1:00, muss ja. Trostloses Wetter, Lesezeit. Follett fesselt mich auf ziemlich selbstzerstörerische Weise. Wir sind mitten im Zweiten Weltkrieg und es ist reichlich unerträglich, die wahlweise Hilflosigkeit oder Gleichgültigkeit ggü. dem Nationalsozialismus zu erleben. Und wir reden nur über einen Roman. Früher ging das selbst mit Zeitzeugenberichten leichter. Da gab’s halt auch noch die gefühlte Gewissheit, sowas passiert nie wieder.

Die Bayern haben nach einem 1:5 gegen die Eintracht ihren Trainer gefeuert – mal wieder. Lewis Hamilton ist Weltmeister – mal wieder. Die Packers und die Lilien haben schlimm verloren – mal wieder. Sport hat schon was Ermüdendes.

Die CDU reibt sich gerade – vollkommen überraschend – an den Nachwehen der Thüringen-Wahl auf. Mohring möchte lieber unter Duldung der AfD MP werden, als Ramelow zu unterstützen. Die JU findet’s geil, die sog. Werteunion sowieso und sogar der GS trommelt. Das alles gegen Ramelow, der fast 80% der Wähler präferenzmäßig hinter sich hat. Es ist absolut absurd.

Gleichzeitig geriert sich der Heimathorst wieder genüsslich in seiner neuen Rolle als… ja was eigentlich? Er beklagt die Verrohung der Gesellschaft, den Aufstieg der Nazis, gleichzeitig verkündet er ein Sofortmaßnahmenpaket gegen den sog. Linksextremismus. Der Mann ist samt seiner Union ein politischer Geisterfahrer. Auch das ist absurd. Und all das wäre lächerlich, wenn es nicht so brandgefährlich wäre.

Ansonsten gehörte der Tag der Spannung vor morgen. Das Bundesverfassungsgericht wird über Hartz-4-Sanktionen urteilen – eigentlich schon lange überfällig. Mit einem bisschen Glück wird die Regierung endlich mal dazu gezwungen, das Existenzminimum realpolitisch als das zu begreifen, was es ist: Das, was ein Mensch in einem zivilisierten Land bekommen muss, um ganz konkret und als Teil der Gesellschaft zu überleben. Wär ja mal was.

Social Media Gedöns

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