Winter der Welt (von Ken Follett)

Quelle: Amazon

Vier Familien, vier Länder, ein Drittes Reich. Kaum ist der Erste Weltkrieg überstanden, sehen die Nachkommen der Protagonisten aus Sturz der Titanen der nächsten weltweiten Katastrophe ins Auge. In der Sowjetunion stecken die Peschkows tief in einem System, das sich zunehmend kaum noch von den Schrecken des Zarenreichs unterscheidet. In Großbritannien erleben die Leckwiths, wie der Faschismus gerade noch gestoppt werden kann. Unterdessen sehen sich die von Ulrichs in Deutschland plötzlich auf der Seite der Verfolgten eines mörderischen Systems. Europa wird zunehmend faschistisch, was bis in die USA zu spüren ist, wo die Dewars immer noch politisch versuchen, die Welt vor der nächsten Katastrophe zu bewahren. Es wird ihnen nicht gelingen und so folgt die nächste grausame Phase im Leben der Protagonisten.

Winter der Welt ist der zweite Teil in Ken Folletts Jahrhundert-Saga. Das Buch umfasst 1023 Seiten und erschien 2012 bei Bastei Lübbe. Es behandelt grob die Zeit um das Dritte Reich.

Winter der Welt beginnt im Jahr 1933, kurz vor der endgültigen Machtergreifung der Nazis in Deutschland. Wie schon im ersten Band erzählt Follett die Geschichten seiner Protagonistenfamilien in ihren jeweiligen Ländern, die ganz unterschiedlich, aber allesamt vor dem Hintergrund des Aufstiegs von Faschismus und Sozialismus stattfinden. Die Bande aus dem ersten Teil wirken weiter, auch die zweite Generation knüpft Verbindungen untereinander – soweit der Lauf der Geschichte das zulässt.

Standen im ersten Band noch Frauenrechte und die sozialistische Revolution ein wenig im Vordergrund, lassen sich in Winter der Welt schwieriger konkrete Schwerpunkte fest machen. Einer, um den man in einem Buch über die Zeit des Dritten Reiches aber auch keinen Bogen machen kann, ist die Vernichtungsideologie. Follett nutzt dafür die ›Aktion T4‹, das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten. Den Teil finde ich recht gut gelungen, insbesondere weil konkrete Einzelheiten über dieses Programm zumindest zu meiner Schulzeit eher nicht auf dem Lehrplan standen. Wir lernten, dass es das Euthanasieprogramm gab und grob wer ihm zum Opfer fiel, über den Ablauf aber eigentlich nichts.

Ein weiterer Schwerpunkt, der auch eher Abseits meines Geschichtsunterrichts lag, ist die Weiterentwicklung der Revolution in Russland unter Stalin. Follett knüpft quasi nahtlos an den Stand aus Sturz der Titanen an und erzählt die Entwicklung relativ eindrücklich weiter. Insgesamt ergibt sich ein Bild schlecht umgesetzten guten Willens über den kompletten Revolutionsverlauf, das seinen traurigen Höhepunkt schließlich im Schreckensreich des Stalinismus’ findet.

Eine weitere, erwähnenswerte Passage ist der verdeckte Kampf gegen die Faschisten in Westeuropa. Follett nutzt dafür Spanien vor der Machtübernahme Francos und später das besetzte Frankreich und auch hier gibt es viel zu lernen, was im klassischen Geschichtsunterricht wohl öfter außen vor blieb. Unter dem Gesichtspunkt gefällt mir die gesamte Jahrhundert-Saga wirklich gut.

Daneben leitet Follett zahlreiche historische Schlüsselpunkte detailliert her. Wie schon im ersten Band ist sein Stil flüssig und gut lesbar. Stellenweise könnte man sicher ein paar Seiten kürzen, aber am Umfang des Buches würde das wohl wieder wenig ändern. Die Geschichte ist gewaltig, vier – eigentlich fünf, wenn man die amerikanischen Peschkows mitzählt – Protagonistenfamilien mit jeweils eigenem räumlichem Umfeld ergeben nun mal am Ende sehr viel Stoff. Meinem Gefühl nach ist Winter der Welt im Detail etwas grausamer bzw. expliziter als Sturz der Titanen. Persönlich finde ich das meistens nicht so gut, wenn es keinen genretypischen Zweck erfüllt (s. Horror), hier ist es zur Verdeutlichung aber durchaus angebracht. Faschismus und Stalinismus insbesondere waren unfassbar grausam und daran kann gerade heute nicht oft genug erinnert werden.

Insgesamt ist Winter der Welt eine gelungene Fortsetzung der Saga und wohl selten so aktuell gewesen wie heute. Wie schon im ersten Band lassen sich zahlreiche Parallelen zur heutigen Gesellschaft ziehen, was das Buch um so eindrücklicher macht. Neben echten Zeitzeugenberichten sicher nicht die schlechteste Lektüre, um ein Gefühl gegen die aktuellen Entwicklungen zu bekommen.

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Jahrhundert-Saga

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