Die Peer Gynt Papers (von Rainer Doh)

Quelle: Amazon

2013 entdeckt ein norwegisches Explorationsschiff ein riesiges Erdgasvorkommen in der Barentssee. Fünf Jahre später wird Ole Ludvigsen, ein politisch aufstrebender Wirtschaftsanwalt, ermordet in einem Züricher Bordell aufgefunden. Die norwegische Politik tritt auf den Plan, schickt Arne Jakobson als Kontaktbeamten in die Schweiz. Doch das ist nur sein offenkundiger Auftrag, denn Ludvigsen hatte brisante Dokumente bei sich, die Politik und Energiewirtschaft in Norwegen unbedingt zurück haben müssen. Sie betreffen das riesige Gasvorkommen in der Barentssee, das Peer Gynt Feld. Und wer mit den Dokumenten in Kontakt kommt, verkürzt seine Lebenserwartung erheblich. In einem Sumpf aus Spitzenpolitik, Wirtschaft und Geheimdiensten muss Arne den mysteriösen Fall lösen.

Die Peer Gynt Papers ist der dritte Band in Rainer Dohs Reihe über den norwegischen Kommissar Arne Jakobson. Das Buch erschien 2019 bei Parlez und umfasst 395 Seiten. Als Taschenbuch kommt es mit Klappenbroschur.

Rainer Doh liefert mit den Peer Gynt Papers einen spannenden Norwegenkrimi, irgendwo im Feld von Politik und Wirtschaft. Sein Kommissar Arne Jakobson ist ein sympathischer Charakter vom Lande, er verleiht ihm Tiefe. Auch abseits des Helden finden sich zahlreiche sympathisch gezeichnete Figuren – auf allen Seiten. Thore Moberg beispielsweise, als skrupelloser Baulöwe mit Hang zum kriminellen Milieu eingeführt, zeigt von diesen Eigenschaften nicht allzu viel. Sogar Terje Sjølund, Inbegriff des manipulativen, machtgeilen Strippenziehers im Hintergrund, ist auf eine merkwürdige Weise sympathisch, weil Doh seinen Charakter weitgehend in sich stimmig zeichnet.

Neben den Figuren lebt ein Krimi aber vor allem von der Tiefe seines Falls, was Doh erfreulich gut gelingt. Er schafft es, bis zum Schluss offen zu lassen, worum es im Kern überhaupt geht. Sicher, man bekommt mit der Story zunehmend ein Bild. Doch auf der einen Seite ist das so verworren und wird immer verworrener. Auf der anderen Seite löst er bis kurz vor dem Schluss nicht auf, worum es sich bei den ominösen Dokumenten, hinter denen alle Parteien so energisch herjagen, überhaupt geht. So ausgeprägt habe ich das selten erlebt. Es gibt zwar vage Andeutungen, die lassen aber keinen konkreten Schluss zu.

Leider finde ich an der Stelle aber auch meinen einzigen Kritikpunkt an den Peer Gynt Papers. Die Geschichte wird am Ende so verworren, dass mir nicht klar wurde, was denn nun genau geschah und ob der Fall letztendlich aufgeklärt wurde. Doh lässt am Ende zahlreiche Charaktere ihre Sicht der Dinge, ihre Erlebnisse und Vermutungen, ja auch vermeintliche Sicherheiten, erzählen, so dass zahlreiche mögliche Hergänge sowohl für den Fall als auch für das gesamte Intrigengeflecht möglich werden. Welcher davon nun der Realität entspricht oder ob es ein Mix aus mehreren ist, das wurde mir leider nicht ersichtlich. Wenn das so geplant war, ist es ein Lob wert, denn dem Geflecht an sich wird ein solches Ende durchaus gerecht. Wenn es aber eine Auflösung geben sollte, konnte jedenfalls ich sie nicht ausmachen.

Das soll es in Sachen Kritik aber auch schon sein, denn neben dem spannenden und komplexen Fall ist Die Peer Gynt Papers auch wirklich unterhaltsam geschrieben. Rainer Doh glänzt immer wieder mit Wortwitz und absurd komischen Situationen. Arnes Rolle als vermeintliches Landei (landläufig »Troll«) spielt er auf wunderbare Weise dahingehend aus. In einem an sich schon absurd komischen Kapitel lässt Doh auch noch einen ›Louis de Funès‹-Gedächtnissketch einfließen, da musste ich mich doch sehr zusammen reißen.

Im Großen und Ganzen ist Die Peer Gynt Papers ein spannender und recht komplexer Krimi mit sympathischen Charakteren und einer sehr angenehmen Schreibe. Die beiden älteren Bände der Reihe werde ich nach der Erfahrung wohl auch auf meinen Wunschzettel setzen, denn gerade Arne gefällt mir als Protagonist sehr gut.

Mein Gesamturteil in Sternchen
Arne Jakobson

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