›Frauenbücher‹ oder Bücher über starke Frauen

Ich lese gerade mal wieder einen Zufallsfund, den ich mir eigentlich nur besorgt habe, weil ich mir mein Bild über Bücher selten ernsthaft aus Klappentexten bilde. Wäre das anders, würde ich mehr auf Klappentexte geben, hätte ich das Buch wahrscheinlich nicht in Betracht gezogen, was mich, je weiter ich lese, wieder mal aufregt.

Das Buch – es geht gerade offensichtlich um Cows von Dawn O’Porter – handelt, um der Rezension nicht zu viel vorweg zu nehmen, grob von ein paar starken Frauen, die sich gegen traditionelle Konventionen und die Masse stellen. Das Buch ist gut, gut geschrieben und bis dato gut konzipiert. Und es stellt Figuren in den Vordergrund, die in einer immer noch männlich dominierten Welt, mit den Problemen, die sich auch dadurch für viele ergeben (Stichwort alleinerziehende Mütter, traditionelles Familienbild, Sexismus etc.), offensiv umgehen. Als Penisträger mag ich solche Bücher durchaus, denn sie erweitern das Blickfeld.

Da gibt’s nur ein kleines Problem: Als Penisträger ist man offensichtlich nicht Zielgruppe solcher Bücher – jedenfalls wenn es nach den Verlagen geht, die (meist) Autorinnen sehen das sicher ganz anders. Auf irgendeine von zahlreichen Arten wird das implizit auf den Eyecatcher-Flächen immer suggeriert, wenn es um starke Frauen geht. Sei es ganz offensichtlich wie im aktuellen Fall – letzter Absatz im Klappentext »Ein Buch für Frauen …« – oder etwas subtiler, beispielsweise durch die Auswahl der Pressestimmen auf dem Klappentext oder online in Verlagspräsentationen. Wenn da die Freundin und die Brigitte zitiert werden und ausschließlich die, wessen Aufmerksamkeit soll das Buch wohl wecken?

Ernsthaft: Warum muss das so sein? Sollen Bücher über starke Frauen wirklich nur Frauen erreichen und ihnen demonstrieren, was sie erreichen können, wenn sie nur ein bisschen selbstbewusster auftreten? Wäre es nicht viel einfacher, parallel dazu Männer zu sensibilisieren? Was macht eine Geschichte über ein paar Frauen, die sich über Konventionen hinwegsetzen oder gegen Missstände ankämpfen, meist einhergehend mit der Entwicklung einer ergreifenden Freundschaft, zu expliziter Frauenliteratur? Ein Roman über ein paar Männer, die sich gegen die Schließung ihrer Kultkneipe im gentrifizierten Viertel engagieren, würde doch auch nicht ausschließlich mit Pressestimmen aus Men’s Health und Playboy beworben, ganz im Gegenteil. Erst Recht würde kein Satz »Ein Buch für Männer …« auf dem Umschlag stehen.

Ich will jetzt sicher Pressestimmen von Frauenzeitschriften nicht von Klappentexten verbannen, genauso wenig will ich das Metagenre Frauenliteratur abschaffen. Es gibt Genres, die auf die eine oder andere Art recht eindeutig eher weibliche Interessen bedienen. Das ist gut so und mich muss nicht jedes Buch ansprechen. Aber muss ausgerechnet gesellschaftskritische Belletristik, die sich gegen traditionelle Rollenbilder stellt, in die Sparte geschoben werden? Nutzt das irgendwem? Könnte man mit dem Potenzial, das diese Werke inne haben, nicht viel mehr erreichen, wenn man es zielgruppenmäßig voll auszuschöpfen versuchen würde? Und trägt ein solches Labeling nicht vielleicht sogar dazu bei, dass starke Frauen und sog. ›Frauenthemen‹ in einer immer noch männlich dominierten Welt als ebensolche belächelt werden? Schließlich scheinen sie ja, glaubt man der Werbung, nur für Frauen relevant zu sein.

Social Media Gedöns

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