Feuerland (von Pascal Engman)

Spannend verknüpft Pascal Engman die halbherzig aufgearbeitete Colonia Dignidad mit der aktuellen Situation Geflüchteter und bildet daraus den ersten Fall für Kriminalkommissarin Vanessa Frank. Ein Einstieg mit Potenzial.

Quelle: Klett-Cotta

In Stockholm wird ein exklusiver Uhrenladen überfallen, wenig später werden zwei reiche Geschäftsmänner entführt. Unterdessen steckt Kriminalkommissarin Vanessa Frank in einer Krise. Ihre Ehe ist frisch geschieden und sie suspendiert, weil sie mit Alkohol am Steuer erwischt wurde. Vanessa entdeckt die Geflüchtetenarbeit für sich und freundet sich mit der 14-jährigen Natasja an, die zu Fuß aus Syrien geflüchtet ist.
In Chile könnte Carlos ein angenehmes Leben führen. Seiner Colonia Rhein geht es gut, er wird respektiert, hat Geld und Macht. Doch die Vergangenheit plagt ihn und schließlich kommen auch noch geschäftliche Probleme dazu.

Feuerland ist der zweite Thriller des schwedischen Autors Pascal Engman. Das Buch umfasst 496 Seiten, die in elf Teile mit jeweils sehr kurzen Kapiteln gegliedert sind. Feuerland erschien am 22.02.2020 bei Tropen, einem Imprint von Klett-Cotta, und wird als Start einer Reihe um Kriminalkommissarin Vanessa Frank angekündigt. Für mein Rezensionsexemplar bedanke ich mich bei Klett-Cotta und NetGalley.

Nach Der Patriot erscheint nun mit Feuerland Pascal Engmans zweiter Thriller. Erneut konstruiert er um zentrale Themen – Geflüchtete und die Colonia Dignidad – eine abgründige fiktive Geschichte. Im Zentrum stehen dabei Kriminalkommissarin Vanessa Frank von der Stockholmer Sondereinheit Nova, der schwedische Ex-Elitesoldat Nicolas Paredes und der Führer der fiktiven Colonia Rhein Carlos Schillinger. Daneben gibt es zahlreiche Nebencharaktere, deren Handlungen zeitweise verfolgt werden, u.a. die syrische Geflüchtete Natasja, Nicolas’ zweifelhafter Jugendfreund Ivan oder Marcos, Carlos’ Adoptivsohn und rechte Hand.

Stilistisch ist sich Pascal Engman treu geblieben. Feuerland ist grob in elf Teile gegliedert, in denen die einzelnen Handlungsstränge in kurzen Kapiteln erzählt und später zusammengeführt werden. Schon in seinem Debüt machte er Cliffhanger zu einem seiner zentralen Stilmittel, das setzt er in Feuerland fort. Das Buch ist oftmals wirklich schwer weg zu legen, die Spannung reißt nie ab.

Ebenfalls zu einem Fingerabdruck Engmans entwickelt sich der Aufbau der Handlung. Ich habe selten Autor*innen gelesen, denen es in Engmans Maß gelingt, die Figuren über einen verhältnismäßig langen Zeitraum als ganz normale, sympathische Menschen aufzubauen – ohne dabei langatmig zu werden -, um dann ganz beiläufig ihre abgründigen Schattenseiten zu enthüllen. Mit Carlos ist das zwar schwer möglich, doch auch ihm lässt er über lange Zeit sympathische Aspekte angedeihen, mit Nicolas hingegen gelingt es ihm wieder außergewöhnlich gut.

Was Engman trotz dieser Erzählweise aber nicht tut, ist die Legitimation des Handelns seiner bösen Figuren. Bei denen aus der Colonia Rhein ist von Anfang an klar, dass sie keine guten Menschen sind, auch wenn er zeitweise ihre normalen Aspekte behandelt, bei denen man insbesondere in Carlos’ Fall auch mal dazu neigt, Mitgefühl zu haben. Nicolas hingegen ist ein vielschichtiger Charakter, wie Engman ihn auch in Der Patriot nutzte, der diesmal aber weniger zweifelhaft als dort August Novak daher kommt. Insgesamt empfinde ich das Charaktersetting als ausgewogen und sehr passend.

Ich bin ein bisschen gespannt, wie Engman die Reihe fortsetzt. Vanessa Frank hat durchaus Potenzial, ihre Figur ist gut angelegt. Allerdings hat sie in Feuerland mit Nicolas einen fast präsenteren Charakter neben sich, den ich mir nur schwer wegdenken kann. Weil er aber in den Polizeihintergrund von Vanessa nur schwer reinpasst, kann man ihn wohl auch nur schwer weiter mitnehmen. Mir fallen da schon Möglichkeiten ein, aber die sind speziell. Wie Engman das lösen wird, wird man sehen. Ich traue ihm da einiges zu und ich freue mich auf jeden Fall auf die Fortsetzung.

Feuerland ist ein weiterer spannender und fein ausgearbeiteter Thriller aus Engmans Feder. Er verknüpft geschickt ein aktuelles mit einem historischen und eher halbherzig aufgearbeiteten Thema. Das und seine ganz spezielle Art, mit seinen Figuren umzugehen, macht das Buch zu einem spannenden Auftakt zur angekündigten Reihe.

Mein Gesamturteil in Sternchen

Transparenzblock: Das Buch habe ich im über NetGalley als Rezensionsexemplar kostenfrei erhalten. Verpflichtungen (beispielsweise eine »wohlwollende« Rezension) sind damit, abgesehen von eben einer Rezension, nicht verbunden. Meine Meinung über das Buch, die ich hier kund tue, wird dadurch nicht beeinflusst.

Transparenzblock: Diese Rezension ist auch auf meinem Profil bei mojoreads (Werbung) erschienen. mojoreads versteht sich als social bookstore und beteiligt seine User am Erlös aus Buchverkäufen, die u.a. auf ihre Rezensionen zurückgehen. Wenn du das Buch kaufen willst, würdest du mir eine Freude machen, wenn du es über meine dortige Rezension (Werbung) kaufst. Bedankt 🙂

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