Vorab: Marianengraben (von Jasmin Schreiber)

Tieftraurig und urkomisch, am Ende aber immer hoffnungsvoll. Eine junge Frau, ein alter Mann, eine Hündin und ein Huhn auf einem etwas anderen Roadtrip.

Paula ist unten – metaphorisch am Grund des Marianengrabens. Seit ihr kleiner Bruder Tim, den sie über alles liebte, im Urlaub verstorben ist, steckt sie in einer tiefen Depression. Von Schuldgefühlen geplagt, erdrückt sie die Trauer.
Doch dann trifft sie Helmut, einen schrulligen alten Mann. Aus einer komischen Begegnung heraus, begeben sie sich mit Judy, Helmuts Hündin, und weniger später Lutz, dem Huhn, auf einen Roadtrip der Trauerbewältigung. Langsam findet das ungewöhnliche Duo, jeder auf seine eigene Weise, wieder zu sich selbst zurück.

Marianengraben ist Jasmin Schreibers Debütroman. Das Buch umfasst 252 Seiten und wird am 28. Februar 2020 bei Eichborn, einem Imprint von Bastei Lübbe, erscheinen. Für mein Rezensionsexemplar darf ich mich bei Eichborn und Vorablesen bedanken.

Marianengraben war, so früh im Jahr, schon das Debüt, auf das ich mich in 2020 am meisten gefreut habe. Jasmin Schreiber kenne ich von Twitter, ich mag ihre Art, ich weiß, dass sie ein nicht ganz übliches Verhältnis zu Tod und Sterben hat. Sie engagiert sich schon lange ehrenamtlich als Sternenkind-Fotografin und ließ sich in der jüngeren Vergangenheit zur Sterbebegleiterin ausbilden – beides Tätigkeiten, für die man wohl ein nicht ganz übliches Verhältnis zu Tod und Sterben braucht. Ich habe, mit ganz anderem Hintergrund und in viel privaterer Weise, auch so ein nicht ganz übliches Verhältnis, also drängte sich mir das Buch gleich aus einer ganzen Reihe von Gründen auf. Ich nehme das mal vorweg: Ich habe sehr viel geweint, ich wurde also nicht enttäuscht.

Ungeachtet einer ganzen Reihe trauriger Stellen, bekommt Marianengraben aber durch die beiden Protagonisten eine sehr passende komische Seite. Sowohl Paula als auch Helmut können nicht so mit Menschen, sind dabei aber sehr direkt – sieh an, noch etwas, was mich mit dem Buch verbindet. Daraus ergeben sich zahlreiche komische Dialogszenen und Situationen. Einige davon, da möchte ich wetten, sind wohl autobiografisch angehaucht – ich denke beispielsweise an ein Gasthaus und Calamari und habe in Zukunft auch keinen Appetit mehr auf letztere. Der Wechsel zwischen Trauer und Komik lockert den Roman gekonnt genau auf das Maß auf, das er braucht, um richtig wirken zu können.

Der Fortschritt des Trauerprozesses wird, wenn ich das richtig verstanden habe, durch die Kapitelnummerierung unterstrichen. Mehrfach benutzt Schreiber das Bild, dass Paula, nachdem sie von Tod ihres Bruders erfahren hat, auf den Grund des Marianengrabens sank. Im Verlauf des Buches steigt sie mit Fortschreiten ihres Trauerprozesses zunehmend auf, entsprechend sinkt die Kapitelnummerierung (meistens).

Technisch ist Marianengraben ein sehr persönlicher Roman. Schreiber lässt Paula die Geschichte nacherzählen, unterbricht die Handlung um den Roadtrip immer wieder mit Retrospektiven, in denen in Erinnerungen versinkt und sich direkt an ihren Bruder Tim richtet. So tauchen die Lesenden tief in ihre Psyche und den Trauerprozess selber ein. Das ist oft ziemlich hart, am Ende scheint es mir aber immer eine heilende Wirkung zu haben. Gerade an diesen Stellen lässt Schreiber viel von ihrem Wissen über Depressionen und den Trauerprozess einfließen, so dass man auf den einen oder anderen Mechanismus einen neuen Blick bekommt. Nicht fehlen darf dabei eine ganze Kaskade biologischen Fachwissens. Paula ist wie Schreiber Biologin, beider Liebe zu Tiefsee und den Bergen ist nicht zu übersehen. Ebenfalls nicht fehlen darf der Seeräuberhund, der Judy ein paar sympathische Eigenheiten geliehen hat.

Mit Marianengraben ist Jasmin Schreiber ein hoffnungsvoller Roman zum eher schwierigen Thema Tod und Trauer gelungen, der sich gekonnt immer zwischen tieftraurig und urkomisch bewegt. Die Mischung macht das Buch zu einem wunderschönen, irgendwie geht man, der schwierigen Thematik zum Trotz, am Ende glücklich aus dem Buch. Und in mancher Hinsicht schlauer. Ein Debüt, das mich jetzt schon neugierig auf zukünftige Werke macht.

Mein Gesamturteil in Sternchen

Transparenzblock: Das Buch habe ich im Rahmen einer Buchverlosung über Vorablesen als Vorabrezensionsexemplar kostenfrei erhalten. Verpflichtungen (beispielsweise eine »wohlwollende« Rezension), abgesehen von eben einer Rezension, habe ich dabei keine. Meine Meinung über das Buch, die ich hier kund tue, wird dadurch nicht beeinflusst.

Transparenzblock: Diese Rezension ist auch auf meinem Profil bei mojoreads (Werbung) erschienen. mojoreads versteht sich als social bookstore und beteiligt seine User am Erlös aus Buchverkäufen, die u.a. auf ihre Rezensionen zurückgehen. Wenn du das Buch kaufen willst, würdest du mir eine Freude machen, wenn du es über meine dortige Rezension (Werbung) kaufst. Bedankt 🙂

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