Rezension: Das alte Kind (von Zoë Beck)

Quelle: Amazon

Carla, Inhaberin eines großen Auktionshauses, liegt mit einer abklingenden Gürtelrose im Krankenhaus. Eine Woche war Felicitas, ihre sechs Monate alte Tochter, getrennt von ihr auf der Säuglingsstation untergebracht, um sich nicht anzustecken. Als sie Felicitas wieder übergeben bekommt, reagiert sie panisch: Das Kind, das sie in ihren Händen hält, ist nicht ihre Tochter. Niemand glaubt ihr und damit steht sie am Beginn eines jahrzehntelangen Albtraums.

Fiona wacht in ihrer Badewanne auf. Sie liegt im Wasser, hört merkwürdige Musik und ihre Pulsadern sind geöffnet. Den Notruf kann sie gerade so noch wählen, dann verliert sie das Bewusstsein. Als sie im Krankenhaus erwacht, ist sie sicher, dass sie jemand umbringen wollte. Damit steht sie allerdings alleine da. Und es wird nicht bei dem vermeintlichen Suizidversuch bleiben bleiben.

In einem weitgehend unblutigen Thriller beschreibt Zoë Beck ein Familiendrama. Die Handlung ist im weitesten Sinne auf zwei Stränge, die mit gut 30 Jahren Unterschied beginnen, verteilt. Die beiden Stränge haben sehr lange keine offensichtliche Verbindung, was es mir am Anfang doch ein wenig schwer machte, mich im Buch zurecht zu finden. Dem wirkt entgegen, dass ich relativ schnell voran kam. Sobald die Verbindungen offensichtlicher werden (obwohl sie sich im Laufe des Buches noch einige Male verändern), wird auch der erste Teil der Story im Kontext stimmiger.

Gerade in Carlas Teil der Geschichte nimmt Beck kein Blatt vor den Mund, um ihre LeserInnenschaft möglicherweise zu schonen. Ein Grund, warum mir Carla von Anfang an gefallen hat. Die Zuschreibungen, mit denen sie leben muss, wie sie in die Schublade gepackt wird, die Verzweiflung, die sich daraus bei ihr ergibt und alle Folgen darf man ausführlich miterleben. Das ist nicht immer leicht, vorausgesetzt man lässt sich darauf ein, dass sie Recht haben könnte, aber das macht ihren Charakter auch wirklich gut geschrieben.

Für Fiona gilt ähnliches, allerdings fand ich sie stellenweise nicht genügend ausgeführt. Das gibt sich im Laufe des Buches, bis es aber soweit ist, konnte ich ihr nicht immer folgen. Beispielsweise kommt erst recht spät klar raus, was es mit ihrer Geschichte auf der Brücke auf sich hatte. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Was ich leider erst im Nachhinein festgestellt habe: Ein Mal weichst du davon ab, die Werke einer Autorin nach Erscheinungsjahr zu lesen und schon rächt es sich. Das alte Kind ist quasi der Nachfolger von Der frühe Tod. Beide Werke überschneiden sich in den Charakteren um den Journalisten Ben Edwards. Soweit ich das aber kurz vor Ende von Der frühe Tod sehe, hat mir in Das alte Kind nicht wirklich Vorwissen gefehlt.

Positiv erwähnen möchte ich dann noch, dass das Buch dazu einlädt, nicht weggelegt zu werden. Das zieht sich durch alle Bücher, die ich von Beck bis jetzt gelesen habe. Die Story wird an keiner Stelle langatmig oder künstlich aufgeblasen. Beck spielt zwar mit für das Thrillergenre relativ moderaten Spannungsbögen, daher würde ich das Buch auch nur geradeso dem Genre zuordnen, das tut dem Leseerlebnis aber nicht weh. Es muss nicht immer von einer Spitze zur nächsten und mit einem Maximum an Blut und Grauen ablaufen. Im Vordergrund stehen vielmehr die Oberthemen, unter denen die Story gebaut wurde. Ich finde das sehr angenehm, wer einen Thriller-Thriller erwartet, könnte aber enttäuscht werden.

Alles in Allem, für mich hat es sich gelohnt, Zoë Beck auf die Leseliste zu setzen. Das alte Kind ist ein kurzweiliges, aber fesselndes Buch. Becks einfühlsamer Stil wird gerade den problematischeren Charakteren sehr gerecht. Ich bin begeistert.

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***Update***
Offenbar sind es nicht nur die beiden Bücher, die sich in dem Handlungsuniversum bewegen. Nachdem ich Wenn es dämmert angefangen habe und mir da direkt wieder Isobel Hepburn begegnet ist, spar ich mir jetzt jede chronologische Gefühlseinordnung. Ich nehme an, mit den drei Büchern wird es immer noch nicht getan sein.

Transparenzblock: Diese Rezension ist auch auf meinem Profil bei mojoreads (Werbung) erschienen. mojoreads versteht sich als social bookstore und beteiligt seine User am Erlös aus Buchverkäufen, die u.a. auf ihre Rezensionen zurückgehen. Wenn du das Buch kaufen willst, würdest du mir eine Freude machen, wenn du es über meine dortige Rezension (Werbung) kaufst. Bedankt 🙂

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