Rezension: Kontrolle (von Benjamin Blizz)

Auf einem stillgelegten Militärflugplatz in der Uckermark landet 1994 eine russische Militärmaschine, in ihrem Frachtraum eine gefährliche Chemikalie.
20 Jahre später erkrankt die Tochter des Biochemikers Adrian Neumann an einer unbekannten Krankheit. Nach zahllosen Untersuchungen entdeckt eine Grenzmedizinerin erhöhte Schwermetallwerte und bietet eine für Adrian schier unfassbare Theorie. Doch so unfassbar sie auch ist, als es Marie noch schlechter geht, ist Adrian bereit, auch diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Er beginnt mit Nachforschungen und gerät mitten ins Fadenkreuz von Geheimdiensten, Regierungen und einer ominösen Geheimorganisation.

Kontrolle ist der dritte Thriller des deutschen Autors Benjamin Blizz. Das Buch ist 2019 als Ebook bei dp DIGITAL PUBLISHERS erschienen und umfasst laut Verlagsangabe etwa 416 Seiten – auf meinem Kobo waren es 341. Das Ebook wurde mir im Rahmen einer Leserunde auf LovelyBooks durch den Verlag zur Verfügung gestellt, dafür möchte ich mich bedanken.

Kontrolle ist insgesamt ein spannender Thriller, auch wenn ich meine Probleme mit ihm hatte. Einen großen Teil davon verbuche ich unter ›Geschmackssache‹ und bemühe mich daher, ihn in meiner abschließenden Bewertung nicht zu beachten. Zumal sich der größte Teil davon mit dem Ende des Buches aufgelöst hat und mich nur beim Lesen störte. Erfreulich fand ich auch, dass der Ausgang der Story bis sehr kurz vor Schluss nicht sicher absehbar war. Ich hatte zwar eine grobe Vorstellung, wie das Buch insgesamt wohl enden würde, en detail lag ich dann aber doch in vielen Punkten falsch. Daraus ergaben sich auch einige vermutete Logikfehler, die am Ende aber plötzlich doch einen Sinn ergaben. Das gefällt mir dann doch.

Kontrolle empfand ich auch als einen unsteten Thriller. Benjamin Blizz treibt die Story stellenweise sehr langsam voran, an anderen Stellen aber auch rasant, jedoch ohne zu hetzen bzw. sich zu vergaloppieren. Langsam ist hier relativ zu verstehen, das ist wieder ein Stück weit Geschmackssache, denn Blizz nutzt diese Stellen für sehr ausführliche Szeneriebeschreibungen. Mir persönlich waren sie manchmal zu ausführlich – wenn sie die Story in einer heißen Phase abrupt pausiert haben sogar störend. Ein Beispiel wäre die ausführliche Wohnzimmerbeschreibung zwischen zwei Spannungsszenen in Kapitel 5. In dieser Art fielen mir noch ein paar mehr Stellen auf, an denen ich es störend fand, dass die Spannung an einem heißen Punkt mit solchen – für mein Empfinden an diesen Stellen Belanglosigkeiten – hart gebrochen wurde.

Etwas unklar war mir auch Blizz’ Charaktermanagement. Er führt mindestens alle Charaktere, die eigene Kapitel bekommen, sehr ausführlich mit Hintergründen und Side-Storys ein. Das finde ich gut. Leider erweisen sich einige Charaktere dann praktisch als mehr oder weniger irrelevant. Die Kampfflieger Ryan und Cathlin beispielsweise, um deren Hintergründe und Verhältnis zueinander sich der Großteil ihres ersten Kapitels dreht, bekommen dann nur noch ein weiteres. Und in der Rückschau sind beide Kapitel – also dieser komplette Erzählstrang – ziemlich irrelevant für das Buch. Nicht ganz so schlimm sieht es mit Anna Lundgren aus, über deren stereotypen Charakter man zwar streiten kann, die aber leider nach starker Einführung und viel Potenzial nur noch einen kurzen, recht blassen Nebenauftritt bekommt. Einerseits hat dieses Vorgehen, die Charaktere scheinbar gleichwertig einzuführen, sicher seine Vorteile, weil die Geschichte unberechenbarer wird. Andererseits ist es aber auch schade und hinterlässt wieder den Eindruck von Lückenfüllern.

Ich weiß nicht, ob Blizz eine Fortsetzung von Kontrolle plant. Wenn dem so ist, sind die unzähligen Fragen, die am Ende offen bleiben, eine gute Basis. Wenn nicht, finde ich sie schade, denn es sind einige elementare. Im Prinzip löst Blizz, abgesehen von der Frage nach Maries Genesung, so gut wie gar nichts auf, wenn man annimmt, dass man auch den Geheimdiensten nicht trauen kann. Man muss jetzt sicher nicht alles auflösen, die Fantasie der Lesenden darf da auch noch ihren Teil tun, aber die Grundlagen wären mir doch ganz lieb.

Ich messe Verschwörungs- und Geheimdienstthriller immer an Robert Ludlum. Anfangs war ich auch sehr an ihn erinnert. Die Charakter- und Szenenbeschreibungen, die auch zeitlich vollkommen zusammenhangslosen Handlungsstränge, das war doch nahe dran. Blizz’ Spannungskurve ist aber eine ganz andere, als die charakteristische Ludlums. Und auch sonst entfernt sich Kontrolle im Laufe des Buches vom typischen Ludlum.

Abschließend war Kontrolle ein unterhaltsames Intermezzo. Ich habe mir während des Lesens lange Gedanken gemacht, wie ich ihn bewerten soll. Eine ganze Weile war ich bei einer 3-Sterne-Wertung, weil mehr unfair gegenüber vielen meiner 4-Sterne-Wertungen wäre. Mit dem Schluss haben sich die Bedenken gegeben, eine gerundete 4 ist in Ordnung. Alleine schon für die Unvorhersehbarkeit.

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Transparenzblock: Das Buch habe ich im Rahmen einer Buchverlosung über LovelyBooks als Rezensionsexemplar kostenfrei erhalten. Verpflichtungen (beispielsweise eine »wohlwollende« Rezension), abgesehen von Beteiligung an der Leserunde und eben einer Rezension, habe ich dabei keine. Meine Meinung über das Buch, die ich hier kund tue, wird dadurch nicht beeinflusst.

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