Blut und böser Mann (von Elias Haller)

Sprachlich besser, expliziter in Gewaltszenen und ein Schritt in Richtung Horrorthriller. Erik Donners dritter Fall ist ein komplexes Geflecht aus Abgründen und eine Verbesserung gegenüber seinem Vorgänger.

Quelle: Amazon

Die beiden Geschäftsführer eines Jagdwaffenherstellers verschwinden spurlos, teilweise mit ihrer Familie. Eine Entführung liegt nahe, doch wer hätte ein Interesse an den beiden Geschäftsmännern? Zumal eine Kontaktaufnahme durch die Entführer ausbleibt.
Schnell nimmt der Fall an Fahrt auf. Mehr Menschen verschwinden, die ersten Leichen tauchen auf. Die Indizienlage deutet zunehmend auf einen Rachefeldzug hin, doch die Hintergründe bleiben weiter im Dunklen. Als Erik Donners Praktikantin ebenfalls verschwindet, wird die Sache persönlich und eine blutige Jagd beginnt.

Blut und böser Mann ist der dritte Band in Elias Hallers Thrillerreihe Erik Donner. Das Buch erschien 2016 im Selbstverlag und wird seit 2018 bei Edition M, einem Imprint von Amazon Publishing, verlegt. Es umfasst 367 Seiten, die sich in 69 Kapitel gliedern.

Kriminalhauptkommissar Erik Donner, stets hilfsbereiter Herrscher über die Kriminalpolizeiliche Erstkontaktstelle, befindet sich privat und beruflich mal wieder in einer Sackgasse. Seine Laune wird auch nicht dadurch gehoben, dass ihm mit der offenherzigen Nina Winter eine Praktikantin zugewiesen wurde. Was sollte eine Praktikantin in der Erstkontaktstelle, dem Abstellgleis der Kriminalpolizei, lernen? Zu allem Überfluss befindet sich auch sein Verhältnis zu Annegret Kolka weiter in einem unklaren Schwebezustand. Weder er noch sie springen für einen ersten Schritt über ihre Schatten. Die perfekte Ausgangssituation, um mal wieder ungewollt in einen spektakulären Fall zu stolpern.

Blut und böser Mann beginnt verworren. Wie gewohnt erzählt Haller die Gegenwartshandlung und spielt immer wieder Kapitel ein, die in Retrospektiven die Beweggründe für die Tat relevanter Figuren aufdecken. Er nennt dabei wenige Namen, auch in der Gegenwartshandlung tauchen öfter Figuren auf, die zunächst namenlos bleiben. Das fiel mir als erstes auf, es fiel mir gerade am Anfang relativ schwer, die Handlung zu ordnen. Allerdings konnte ich den Anfang auch immer nur in kurzen Abschnitten lesen, das mag dazu beigetragen haben. Im Laufe des Buches nimmt die Komplexität der Handlung keineswegs ab, sie macht aber mehr Spaß. Allerdings wirkt sie auf mich stellenweise etwas überzogen, das betrifft hauptsächlich die Figur Rammlers. Den James-Bond-Abklatsch würde ich ihm wohl durchgehen lassen, die Hypnosegeschichte ist mir aber zu drüber.

Was ich im letzten Band stark kritisierte, die diskriminierende Sprache, speziell durch den Erzähler, tritt in Blut und böser Mann weniger stark auf. Es gibt diese Stellen noch, aber sie sind erheblich weniger dominant. Das freut mich grundsätzlich.

Dafür kam mir das Buch deutlich expliziter vor. Die Vorgänger waren da zwar auch nicht von schlechten Eltern, gerade die Folterszenen schienen mir in Blut und böser Mann aber noch einen guten Schwung grausamer. Das geht so weit, dass ich das Buch an mancher Stelle ins Horrorthriller-Genre verorten würde. Empfindlich darf man da wirklich nicht mehr sein. Beschränkte sich das bisher auf Leichenbeschreibungen, werden jetzt Folterszenen explizit beschrieben. Auch die Jagd- und Hinrichtungsszenen sind nicht von schlechten Eltern.

Was ich ein bisschen schade fand, aber ursächlich auch nicht genau begründen kann: Donner kommt in der Geschichte irgendwie schlecht weg. Da rettet ihn auch die Nebenhandlung mit Kolka nicht. Er wurde mir unsympathischer, als er bisher war. Das ist für einen Protagonisten einer Reihe jetzt nicht unbedingt der beste Ausgang. Ich bin gespannt, ob Haller das im nächsten Band wieder auffangen kann oder Kolka jetzt eine zentralere Rolle einnimmt. Die geht für mich nämlich ein bisschen als Gewinnerin aus dem Sympathiecontest hervor.

Alles in allem ist Blut und böser Mann eine Verbesserung gegenüber Rache und roter Schnee. Die Story ist komplex, teilweise ein wenig überzogen, und definitiv nichts für schwache Nerven. Man sollte schon Horrorthriller mögen, sonst könnte man sich mit Albträumen konfrontiert sehen.

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Erik Donner
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