Furcht und finsteres Herz (von Elias Haller)

Erneut schickt Elias Haller seinen Erik Donner in einen grausamen Fall um einen Serienverstümmler. Der spannende fünfte Teil um den ruppigen Kriminalhauptkommissar.

Quelle: Amazon

In Chemnitz wird eine pensionierte Richterin brutal verstümmelt. Ihr wird, wohl bei Bewusstsein, ein Auge entfernt. Die Umstände sind grausam, vor vielen Jahren verlor sie bereits die Sehfähigkeit auf ihrem anderen Auge durch einen Säureangriff. Schnell kocht die Stimmung hoch, ein fundamentalreligiöser Schwarzer Engel scheint es darauf abgesehen zu haben, bereits Behinderte zu verstümmeln.

Furcht und finsteres Herz ist der fünfte Band in Elias Hallers Reihe Erik Donner. Das Buch erschien 2017 und wird seit 2018 bei Edition M, einem Imprint von Amazon Publishing, verlegt. Es umfasst 412 Seiten, die sich in 68 Kapitel gliedern.

Kriminalhauptkommissar Erik Donner sitzt weiter auf der Kriminalpolizeilichen Erstkontaktstelle fest. Das hält ihn aber wie gewohnt nicht davon ab, sich einzumischen, als der grausame Fall der verstümmelten pensionierten Richterin seinen Lauf nimmt. Sehr zu seinem Missfallen wird er dabei auch noch von einem Fernsehteam begleitet, denn der neue Polizeipräsident, sein alter Studienfreund Calvin Magerhans, hat ihn beim zweifelhaften Format Deutschlands Super-Cop angemeldet. Eine Rolle, die ihm so überhaupt nicht stehen will. Als ob das nicht genug wäre, ist er auch noch auf dem besten Weg, seine Beziehung mit Annegret Kolka gegen die Wand zu fahren.

Elias Haller gelingt mit Furcht und finsteres Herz erneut ein sehr verworrener Kriminalthriller. Der Sprung, den er in Sachen Undurchsichtigkeit der Handlung in Asche und alter Zorn gemacht hat, setzt sich fort. Auch diesmal ist der Ausgang des Falles wieder lange nicht vorherzusehen, einige Male führt Haller seine Lesenden aufs Glatteis.

Neben der Haupthandlung legt Haller erneut viel Wert auf die Rahmenhandlung um Donners und Kolkas Privatleben. Donners Vergangenheit spielt ebenfalls wieder eine nennenswerte Rolle. Donner und Kolka werden dadurch weiter greifbarer, insbesondere Donners oft irrational erscheinendes Verhalten erklärbarer. Ein ums andere Mal fragt man sich, wie Donner nur mit kleinen Äußerungen seine Beziehung, die ihm so wichtig ist, leichtfertig aufs Spiel setzt.

Bedingt durch die Hintergründe des Falles, die Haller gewohnt in Retrospektiven häppchenweise aufklärt, taucht Rassismus in Furcht und finsteres Herz auf. Kritisierte ich in der Vergangenheit Hallers Umgang mit diesem und diskriminierender Sprache, gelingt ihm der in Furcht und finsteres Herz besser. Rassismen und Diskriminierung werden durch die Handlung, in der sie stattfinden, implizit verurteilt. Auch die Figur mit rechtsextremer Vergangenheit in der Jugend ist im Erwachsenenalter nicht der typische, plakative Bekehrte, er hat nur die Gewalttätigkeit aufgegeben, in seiner Gesinnung hat kaum ein Wandel stattgefunden. Nach viel Kritik finde ich diesen Umgang löblich.

Technisch schreibt Elias Haller gewohnt flüssig, der Thriller ist so konstruiert, dass die Spannung nur selten und dann auch nur kurz abreißt. Wie gewohnt nimmt er seine Leserschaft bis nahe an den Abgrund mit, so fällt es nicht schwer, sich in das jeweilige Geschehen hinein zu versetzen. Darüber, dass es am Abgrund zur Sache geht – Haller macht gewohnt auch keinen Halt vor der Beschreibung von Verstümmelungsszenen -, sollte man sich wieder im Klaren sein. Ein gewisses Maß an Fell sollte man für die expliziten Szenen haben.

Zusammenfassend ist Elias Haller mit Furcht und finsteres Herz erneut ein spannender, abgründiger Kriminalthriller gelungen, der an die technischen Fortschritte, die Haller mit dem vorangegangenen Band gemacht hat, anknüpft. Eine gelungene Fortsetzung der Reihe um Erik Donner.

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Erik Donner
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