Lesedauer5 Min, 75 Sek

Das vergangene Wochenende eigentlich ja die ganze Woche stand im Zeichen der Frankfurter Buchmesse. Normalerweise bin ich um die Jahreszeit passenderweise im Norden, dieses Jahr nicht. Also konnte ich mich endlich auch mal dort herumtreiben. Ein paar Gedanken dazu dürfen auf einem Buchblog natürlich nicht fehlen.

Ein Blick auf Halle 3.0 von oben ... und außen

Fangen wir positiv an: Ich finde das Konzept Buchmesse toll. Auch wenn man selber von den ausgestellten Büchern nicht allzu viel hat mehr dazu weiter unten alleine die Massen zu sehen, die in Zeiten beklagten Sterbens des Buches in die Hallen pilgern. Die offiziellen Zahlen berichten für dieses Jahr von gut 300.000 Besucher*innen und knapp 7.500 Aussteller*innen. Es fühlte sich nach mehr an. Besonders schön ist dabei, von Jung bis Alt ist alles vertreten. Sehr viel Jung. Deutlich mehr, als ich auf einer Buchmesse erwartet hätte. Das mag sicher auch daran liegen, dass mit Frankfurt Cosplay erfolgreich ein Meer von Cosplayer*innen auf die Buchmesse gelockt wurde eine super bunte Sache, wie ich finde.

Ein kleiner Wehmutstropfen sind die Massen eigentlich auf jeder Messe. Halle 3 am Samstagmittag war beispielsweise eine reine Tortur nicht nur im Großraum Fitzek-Signierstunden. Tipp für mich fürs nächste Mal: Headliner-Signierstunden weiträumig umgehen, damit macht man nichts falsch. Wie dem auch sei, es war zeitweise wirklich sehr, sehr voll. Das gab sich gegen Nachmittag wieder und Sonntag konnte man sich deutlich besser bewegen, aber beim nächsten Mal könnte ich dann doch über Fachbesuchertickets nachdenken.

Lesedauer2 Min, 67 Sek
Titel: Ein Mann namens Ove
Autor*in: Fredrik Backman
Verlag: S. Fischer
Erschienen: 23.07.2015
Seiten: 384

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Ove ist 59 Jahre alt, verwitwet und lebt in einer schwedischen Reihenhaussiedlung. Sein Leben basiert auf einer simplen Annahme: Recht muss Recht bleiben. Früh verlor er seine Eltern, er fand in Sonja sein Lebensglück, doch auch das gemeinsame Leben sollte von schweren Schicksalsschlägen nicht verschont bleiben. Sie verlieren ihr Kind und schließlich stirbt Sonja an Krebs. Bis zu diesem Punkt hat Ove, den man problemlos als grantigen Pedant einstufen könnte, gekämpft. Gegen die Umstände, gegen Institutionen, gegen alle, die Sonjas Glück Steine in den Weg legen wollten. Seit ihrem Tod kämpft er nicht mehr. Er hat nur noch einen Plan: Sich das Leben zu nehmen, um wieder bei Sonja zu sein.
Doch als er gerade beginnt, sein Ende in die Tat umzusetzen, zieht die schwangere Parvaneh mit ihrer Familie ins Nachbarhaus ein. Zum Einstand mäht ihr Mann Patrick Oves Briefkasten um. Der denkbar schlechte Start beginnt, Oves Pläne systematisch zu torpedieren.

Ein Mann namens Ove ist der Debütroman des schwedischen Autors Fredrik Backman. Erschienen ist das Werk 2015 bei FISCHER, es umfasst 384 Seiten.

Gran Torino! Der Gedanke sprang direkt in meinen Kopf, als ich die ersten Seiten gelesen hatte. Er hielt sich über das ganze Buch. Ein Mann namens Ove ist Clint Eastwoods Meisterwerk in einer gewissen Weise sehr ähnlich. Schweden ist nicht die USA, das Buch ist kein Abklatsch, aber im Großen und Ganzen haben beide Werke viel gemein und das macht mir Fredrik Backmans Debüt sehr sympathisch.

Lesedauer2 Min, 68 Sek
Titel: Marlow
Autor*in: Volker Kutscher
Verlag: Piper
Erschienen: 30.10.2018
Seiten: 528

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Berlin im ausklingenden Sommer 1935. Während der Reichsparteitag in Nürnberg seine Schatten voraus wirft, stirbt in Berlin ein SD-Mann in einem Taxi. Der Fahrer fuhr einfach mit Vollgas gegen eine Mauer. Gereon Rath, mittlerweile Oberkommissar, aber bei Gennats Mordinspektion auf dem Abstellgleis, wittert Ungereimtheiten. Obwohl er zum LKA wechselt, ermittelt er auf eigene Faust weiter in dem schnell geschlossenen Fall. Dabei gerät er tief in die Vergangenheit. In Charlys, Marlows, Liangs und einiger Nazigrößen, bis in die höchsten Kreise des Reichsinnenministeriums. Schnell wird der SD auf ihn aufmerksam, doch er und Charly stecken schon zu tief in der Sache.

Marlow ist der siebte und jüngste Band in Volker Kutschers Zyklus Gereon Rath. Erschienen ist das Buch 2018 bei Piper. Es umfasst 528 Seiten, die sich auf insgesamt 94 Kapitel gliedern.

Marlow widmet sich, das überrascht nicht, dem zuletzt strauchelnden Berliner Unterweltkönig Johann Marlow. Seine und die Geschichte seiner rechten Hand Liang Kuen-Yao bilden den Mittelpunkt der Geschichte. Dabei kommt nicht wenigen anderen der bisherigen Nebenfiguren ebenfalls eine zentrale Rolle zu. Längst abgeschlossene Fälle aus Böhms Vergangenheit bei der Mordinspektion, unter anderem der Tod von Charlys Vater, werden wieder aktuell. Ein großer Teil widmet sich zudem Fritze, der mit der HJ am Reichsparteitag in Nürnberg teilnimmt.

Lesedauer2 Min, 57 Sek
Titel: Lunapark
Autor*in: Volker Kutscher
Verlag: KiWi
Erschienen: 10.11.2016
Seiten: 560

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Berlin, Sommer 1934. Ein SA-Mann wird brutal ermordet. Aus dem Fall wird sofort einer für die Gestapo. Deren Sonderkommission, der Gereon Rath zugeteilt und die von seinem ehemaligen Partner Reinhold Gräf geleitet wird, sieht die Täter in einer kommunistischen Untergrundgruppe. Es bleibt nicht bei dem einen Mord, weitere SA-Männer folgen. Rath erkennt in der Opferwahl Zusammenhänge zum früheren Ringervereinsmilieu, doch die Gestapo will davon nichts wissen. Einmal mehr ermittelt Rath auf eigene Faust und begibt sich damit nicht nur seitens der Gestapo in gefährliches Fahrwasser, auch Doktor Marlow, der frühere Untergrundkönig Berlins, tritt wieder in sein Leben.

Lunapark ist der sechste Fall in Volker Kutschers Zyklus Gereon Rath. Das Buch erschien 2016 bei Kiepenheuer & Witsch. Es umfasst insgesamt 97 recht kurze Kapitel auf 560 Seiten.

Lunapark spielt zwischen Mai und August 1934, historisch also ab Goebbels' sog. »Aktion gegen Miesmacher und Kritikaster« bis zum Tode Hindenburgs und der damit bevorstehenden Vereinigung der obersten Staatsämter in Adolf Hitler. In den Zeitraum fallen die Säuberungsaktion gegen die SA verklärt als »Nacht der langen Messer« und die Marburger Rede Franz von Papens. Sämtliche Ereignisse finden Raum in der Handlung, die Säuberungsaktion gegen die SA sogar erheblichen. Kutscher folgt damit seiner Strategie, die fiktive Handlung so stark wie möglich in die realhistorische Entwicklung einzubetten.

Lesedauer3 Min, 38 Sek
Titel: Märzgefallene
Autor*in: Volker Kutscher
Verlag: KiWi
Erschienen: 06.11.2014
Seiten: 608

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Berlin im Frühjahr 1933. Ein Obdachloser wird ermordet. Der Mann war Weltkriegsveteran und Gereon Rath findet schnell heraus, dass seine damalige Einheit ein Geheimnis umgibt. Während ein weiteres Mitglied der Einheit seine Memoiren veröffentlichen will und damit in der Gunst der Nazis aufsteigt, sterben weitere seiner damaligen Kameraden.
Gleichzeitig brennt der Reichstag. Raths Mordinspektion wird auf ein Minimum reduziert, das Naziregime benötigt alle Kräfte, um die »kommunistische Verschwörung«, der der Brandanschlag zugeschrieben wird, aufzudecken. Rath, ebenfalls der Gestapo zugeteilt, ermittelt auf eigene Faust weiter.

Märzgefallene ist der fünfte Band in Volker Kutschers Zyklus Gereon Rath. Das Buch erschien 2014 bei Kiepenheuer & Witsch und umfasst 608 Seiten, die sich auf 112 Kapitel aufteilen.

Im Frühjahr 1933 beginnt sich das Naziregime zu manifestieren. Die Jagd auf Kommunist*innen ist spätestens nach dem Reichstagsbrand in vollem Gange, die Gestapo wird zur führenden polizeilichen Institution. Mit den Wahlen sterben kurz darauf die letzten Hoffnungen. Innerhalb der Gesellschaft beginnen sich Gräben zwischen Anhänger*innen und Kritiker*innen des neuen Reiches zu ziehen bis hinein in Familienverbünde. All dies nimmt Volker Kutscher gekonnt auf und baut es in seinen Roman ein. Während Charly die Gefahr kommen sieht und sich mit den neuen Machthabern nicht anfreunden kann, verharmlost Gereon in seiner unpolitischen Art die Auswirkungen der Entwicklungen. Es wird schon alles wieder werden und die Kommunist*innen waren ja nun wirklich keine Kinder von Traurigkeit. Je stärker sich das Dritte Reich manifestiert, desto besser wird in meinen Augen Kutschers historische Einbettung. So wird leicht nachvollziehbar, welche Mechanismen dafür gesorgt haben, dass sich das Naziregime so manifestieren konnte. Das ist manchmal hart zu lesen gerade Gereon hat in der Hinsicht einige Momente aber es wirft ein Licht auch auf die Gleichgültigkeit der heutigen Zeit.

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Titel: Die Akte Vaterland
Autor*in: Volker Kutscher
Verlag: KiWi
Erschienen: 16.08.2012
Seiten: 563

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Berlin im Sommer 1932. Im legendären Vergnügungstempel Haus Vaterland ertrinkt ein Spirituosenlieferant in einem Aufzug. Die Polizei, sowieso schon überlastet, tappt im Dunklen. Die Spur führt in eine Vergangenheit tief in Ostpreußen.
Gereon Rath, der mittlerweile mit Charly verlobt ist, wird für die Ermittlungen von Gennat ins ostpreußische Treuburg geschickt, da Charly, mittlerweile Kommissaranwärterin, für den Fall in die Mordkommission versetzt wird. Dort erwartet ihn eine tief nationalistische Gemeinschaft mit einem dunklen Geheimnis, das mehr und mehr mit dem aktuellen Fall in Zusammenhang zu stehen scheint.

Die Akte Vaterland ist der vierte Fall für Volker Kutschers Kommissar Gereon Rath. Das Buch erschien 2012 bei Kiepenheuer & Witsch und umfasst 563 Seiten, die sich in insgesamt 102 recht kurze Kapitel gliedern.

Gereon Raths vierter Fall beginnt mysteriös. In einem Lieferantenaufzug des Hauses Vaterland liegt ein ertrunkener Spirituosenhändler und alle Spuren deuten darauf hin, dass der Aufzug auch der Tatort ist. Rath kann weitere Fälle mysteriöser Ertrinkungsopfer ermitteln und die stehen tatsächlich in einem Zusammenhang. Jahre zuvor lebten sie alle im ostpreußischen Treuburg, arbeiteten dort in der Mathée-Spirituosenfabrik und für deren Direktor Wengler offenbar auch als Schlägertrupp. Alle drei Mordopfer verließen Treuburg zeitgleich und auf diesen Zeitpunkt fällt auch ein alter Fall, der die Firma Mathée betrifft. Rath ermittelt vor Ort.

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Titel: Goldstein
Autor*in: Volker Kutscher
Verlag: KiWi
Erschienen: 22.09.2010
Seiten: 573

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Berlin, 1931. In den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wirrungen der untergehenden Weimarer Republik stirbt ein Straßenkind beim Einbruch in das KaDeWe. Der Fall scheint vernachlässigbar, doch mit Alex, der Komplizin, gibt es eine Zeugin und die will Brisantes beobachtet haben: Ein Polizist soll den Jungen auf der Flucht kaltblütig ermordet haben.
Zeitgleich besucht Abraham Goldstein, seines Zeichens berüchtigter Mafiakiller aus den USA, Berlin. Die Behörden sind beunruhigt, eskaliert der Kampf zwischen den Ringervereinen, die die Berliner Unterwelt beherrschen? Tatsächlich verschwinden die Anführer von Berolina und Nordpiraten, die Zeichen für einen drohenden Unterweltkrieg verdichten sich. Viel Arbeit für Kriminalkommissar Gereon Rath und die Berliner Mordinspektion.

Goldstein ist der dritte Band in Volker Kutschers historischer Krimireihe Gereon Rath. Das Buch umfasst 573 Seiten, die in 119 überwiegend recht kurze Kapitel gegliedert sind.

Der dritte Fall für Kutschers Kommissar Gereon Rath setzt sich eigentlich aus einer ganzen Reihe zunächst nicht zusammenhängender Fälle zusammen. In dieser Phase, die sich über einen großen Teil des Buches zieht, steht Rath auch gar nicht so sehr im Mittelpunkt. Charly hingegen bekommt eine größere Rolle als in den bisherigen Bänden, da sie sich im Falle der Kaufhauseinbrecherin und wahrscheinlichen Mordzeugin Alex zunächst auf eigene Faust, dann mit Rückendeckung durch die Polizei engagiert. Gereon hingegen wurde quasi auf das Abstellgleis geschoben. Er ist für die Observierung von Abraham Goldstein zuständig, der sich jedoch recht wenig zu bewegen scheint, so dass Gereon eigentlich nur auf seinem Beobachtungsposten im Hotel sitzt. Parallel dazu muss er allerdings auch wieder für Dr. Marlow tätig werden, als der Boss der Berolina verschwindet und Marlow die Nordpiraten verdächtigt. Den offenen Krieg in der Unterwelt, den Marlow hier um seine Position zu halten riskieren muss, will Gereon um jeden Preis verhindern.