Rezension: Bios (von Daniel Suarez)

Quelle: Rowohlt

Wir schreiben das Jahr 2045, die Genetik ist allgegenwärtig geworden. Kunststoff und Metalle werden in rasantem Maße von gezüchteten Werkstoffen verdrängt, Karossen aus beispielsweise Chitin erstellt. Die Weltgemeinschaft hat sich enge rechtliche Grenzen zur genetischen Korrektur des Erbguts in vitro gegeben. Trotzdem hat sich um die Humangenetik eine erhebliche kriminelle Ökonomie gebildet.

Kenneth Durant ist Agent bei Interpol, zuständig für die Bekämpfung ebendieser Genkriminalität. Er identifiziert die Labore, die Eingriffe über das erlaubte Maß hinaus an die zahlungskräftige Kundschaft verkaufen. Der größte Fisch in diesem Teich: Marcus Demang Wyckes. Als Durant am Geburtstag seiner Tochter verschwindet und Wochen später wieder in einer Klinik erwacht, ist nichts mehr wie zuvor, denn plötzlich ist er Marcus Wyckes. Es beginnen eine verzweifelte Flucht vor den Behörden und Wyckes Organisation und sein Kampf um seine Identität.

Daniel Suarez wirft erneut einen rasanten Tech-Thriller in die Manege. Sein Thema diesmal: Die Humangenetik mit CRISPR als Bezugspunkt und Anker zur Realität. Ein Thema, das schon Aktualität hat und in naher Zukunft wohl erheblich mehr Relevanz bekommen wird. Suarez führt dabei den üblichen gesellschaftlichen Konflikt vor: Einerseits bringt die Technologie bei moralischer Verwendung viel Gutes, andererseits wird es immer Gruppierungen geben, die auch die unmoralische Verwendung verkaufen werden. Daneben zeichnet er – sicher nicht ganz unrealistisch – die Umwälzungen innerhalb der Weltordnung, wie sie auf Grund unterschiedlicher Verhältnisse zur Innovation »Gentechnologie« tatsächlich geschehen könnten.

Wie bei Suarez gewohnt, sind die unterschiedlichen Charaktere klar gezeichnet. In einer Welt, in der die Grenzen zwischen Legalität und Illegalität zu verschwimmen scheinen, findet sich an fast jeder Figur etwas sympathisches. Ebenfalls wie bei Suarez gewohnt, gibt es eine schiere Masse wissenschaftlicher Details inkl. Verweisen auf die Grundlagen. Das macht das Buch nicht immer leicht verdaubar – es kann sich stellenweise langatmig anfühlen – macht für mich aber auch einen Teil des Reizes bei Suarez aus. Die Story ist insgesamt etwas weniger geradlinig, als sie es noch bei Control war, im Großen und Ganzen später aber doch vorhersehbar. Das tut der Unterhaltung aber keineswegs schlecht. Suarez versteht es, die Spannung über nahezu die gesamte Story aufrecht zu erhalten.

Zusammenfassend kann ich nur an meine Empfehlungen für Suarez’ frühere Werke anschließen, Bios reiht sich da nahtlos ein. Wer einen Blick auf eine Welt, wie sie schon bald aussehen könnte, werfen will, der wird wirklich gut unterhalten. Wer auf flotte Tech-Thriller steht sowieso.

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