Rache und roter Schnee (von Elias Haller)

Alleine von der Story her eine gelungene Fortsetzung der Reihe um Erik Donner. Für mich aber mit Abzügen wegen diskriminierender Sprache.

Quelle: Amazon

Nach den traumatischen Erlebnissen um seinen Ex-Partner Jeff Balthasar möchte Kriminalhauptkommissar Erik Donner nur noch zurück zur Mordkommission. Doch die Chefetage schiebt ihn noch weiter aufs Abstellgleis. Unter dem Vorwand einer Chance soll er die Einsatzleitung beim Weihnachtsmarkt übernehmen. Ein potenziell unspektakulärer Job, der offenbar so wenig Qualifikation erfordert, dass man ihn sogar Donner zutraut.
Kaum in seinem Auftrag angekommen, überschlagen sich jedoch die Ereignisse. In einem Geschenkesack wird die übel zugerichtete Leiche eines Mannes auf dem Weihnachtsmarkt gefunden. Verdächtige gibt es viele, aber der Täter hinterlässt kaum Spuren. Donner und die Polizei tappen im Dunklen, da geschieht schon der nächste grauenhafte Mord. Und plötzlich ist auch die Polizei in großer Gefahr.

Rache und roter Schnee ist der zweite Teil in Elias Hallers Thrillerreihe Erik Donner. Das Buch erschien 2015 im Selbstverlag und wird seit 2018 bei Edition M, einem Imprint von Amazon Publishing, verlegt. Der Thriller umfasst 394 Seiten, die sich in 73 recht kurze Kapitel gliedern.

Der zweite Band der Reihe schließt kurze Zeit nach dem ersten an die Handlung an. Donner fristet weiter sein Dasein in der Polizeilichen Erstkontaktstelle. Der Chemnitzer Weihnachtsmarkt steht vor der Tür und Donner soll dort die Einsatzleitung übernehmen – ein Job, der ihm weder liegt noch gefällt. Ein weiterer Schritt auf dem Weg in die sprichwörtliche Besenkammer in irgendeinem Kellerarchiv. Doch der Weihnachtsmarkt verläuft ganz anders als erwartet. Ein Serienmörder arrangiert ein Opfer nach dem anderen, die Besucher sind in Angst, die Veranstaltung droht zur Katastrophe zu werden. Die Opfer stehen scheinbar in keinem Zusammenhang und der Täter geht sehr professionell vor. Und Donner kann den Fall natürlich nicht seinen Ex-Kollegen von der Mordkommission überlassen.

Rache und roter Schnee ähnelt im Aufbau dem ersten Band. Haller konstruiert einen erneut einen verworrenen Fall, Spannung ist vorprogrammiert. Neben der Haupthandlung in der Gegenwart springt er in regelmäßigen Abständen in die Vergangenheit, wo die Kindheit des Täters erzählt wird – jedoch ohne die Identität des Täters dabei zu enthüllen. Einmal mehr führt er seine Lesenden dabei in tiefe Abgründe der Menschen. Vorhersehbar wird der Thriller bis zum großen Finale – das wirklich ein rasantes ist – nicht. Mit Nebenhandlungen lenkt Haller den Blick immer wieder in Sackgassen.

Analog zum ersten und siebten Band komme ich auch bei Rache und roter Schnee nicht umher, Kritik zu üben. Das einseitige Lokalkolorit lasse ich hier mal außen vor, dazu habe ich eigentlich genug gesagt. Was mir in diesem Band noch ein wenig saurer aufgestoßen hat, ist diskriminierende Sprache. Haller schreibt den Thriller aus der Sicht einer Art allwissendem Erzähler, streut aber auch direkte Gedanken der jeweils handelnden Figuren ein. Die sind zumeist kursiv gesetzt und so klar erkennbar. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das tatsächlich auf alle Gedanken zutrifft, gehe aber aufgrund der Textauszeichnung davon aus. Das Problem dabei ist, der allwissende Erzähler übernimmt die diskriminierende Sprache mancher Figuren. So bezeichnet Donner einen körperlich Behinderten beispielsweise als »Quasimodo« oder spricht abfällig über einen scheinbar geistig Behinderten. Das finde ich nicht gut, weil ich diskriminierende Sprache grundsätzlich nicht gut finde, allerdings kann ich hier akzeptieren, dass es eben der Charakter ist, der in dieser Hinsicht unsympathisch ist. Das ist für mich insoweit in Ordnung, als dass es nun mal einen Teil der Realität spiegelt, die mir zwar nicht gefällt, die zweifellos aber realitätsabbildend ist. Lange Rede, kurzer Sinn, das ist quasi das, was mir hinsichtlich rechter Alltäglichkeiten fehlt.

Problematisch wird es für mich aber, wenn der Erzähler die Diskriminierungen übernimmt. Der körperlich Behinderte wird beispielsweise auch vom Erzähler mehrfach »Quasimodo« genannt. In dem Fall fällt es mir schwer, die Diskriminierung noch einer fiktiven Figur zuzuschreiben, sie fällt stattdessen auf den Autor zurück. Das kann zwar auch die Realität wiederspiegeln, allerdings auf ungewollte Weise, weil sich der Autor dann entweder verplappert hat oder den Fehler nicht mal bemerkt – beides gleichermaßen problematisch. An der Stelle wird diskriminierende Sprache legitimiert und das möchte ich wirklich nicht.

Eine Randnotiz bleibt da fast die in der Übersetzung verharmlosende Verwendung des Wortes »Pädophilie« für eindeutig pädosexuelle Kriminalität. Allerdings ist die Debatte um die Begrifflichkeiten schon alt und leider im offiziellen Sprachgebrauch bis heute nicht geregelt. Da muss ich das wohl hinnehmen.

Das war nun viel Kritik, die soll aber nicht darüber wegtäuschen, dass Rache und roter Schnee ohne Augenmerk auf diese sprachlichen Geschichten wieder ein sehr unterhaltsamer Thriller ist. Da ich, was sprachliche Spitzfindigkeiten angeht, sicher eine niedrigere Frustrationsschwelle als die Masse habe, wird das Buch wohl von der Handlung her allgemein eher gefallen. Denn Thriller schreiben kann Haller, das beweist er hier erneut. Die Handlung ist gut konzipiert und umgesetzt, die Charaktere, insbesondere die bekannten, mit ihren Problemchen und Schrullen weitgehend sympathisch. Rache und roter Schnee hat aus dem Blickwinkel des Unterhaltungswerts alles, was ein guter Thriller braucht.

Insofern werden wohl auch alle Freunde Erik Donners und viele Thrillerliebhaber ein spannendes Buch an die Hand bekommen. Wer mit expliziten Tatbeschreibungen oder allgemein Kindesmissbrauch, Vergewaltigung, Folter u.ä. nicht so gut klar kommt, sollte aber die Finger von dem Buch lassen. Aber Teile davon treffen wahrscheinlich sowieso auf jeden Donner zu.

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